Was kann der einzelne ausrichten?
Texte von Oskar Maria Graf
gelesen von Katrin Sorko, begleitet von der Eder Blosn
texte-statt-brezn
Der Schriftsteller Oskar Maria Graf (1894-1967) war kein still schreibender Zeitgenosse in seiner Zeit. Das war auch kaum möglich, er war hinein geboren und gezwungen in gravierende Umbrüche: 1. Weltkrieg, Münchner Räterepublik, Weimarer Republik, 2. Weltkrieg, Kalter Krieg.
Selbst oft in bitterer Not, warf er sich mit ganzer Energie in die Umbrüche, um die gegebenen Zustände aktiv zu verändern, nicht nur mit den lauten Tasten seiner Schreibmaschine, sondern lebenslang in diversen Bewegungen, als Anarchist und unruhiger Zivilungehorsamer. Er schonte sich nicht und war auch später als Emigrant in New York nicht tatenlos und leise.
Es ist erstaunlich, denn diese Kraft packt uns als Leser auch heute, wir sind sofort mittendrin in engen dörflichen Familienzwängen, in Backstuben, in Münchner Stassenkämpfen Weiss gegen Rot, im täglichen Ringen nach Überleben.
Ein besonderer Reiz besteht darin, Oskar Maria Grafs Texte laut – in bairisch – vor Publikum zu lesen. Seine Texte packen uns noch heute mit überraschender Wucht. Plötzlich sind wir mittendrin im chaotischen Außen, lachen, sorgen uns, erkennen und verzweifeln, werden ermutigt, stürmen irgendwie meist kopflos hinein in die Revolution, sind hungrig, frieren nicht selten, um dann wieder mit der Weitsicht über den Starnberger See kurze Atempausen des Verschnaufens zu genießen, liebend, verliebend, schmerzhaft entliebend.
Was kann denn der Einzelne ausrichten? Eine Frage, der wir uns heute wieder aktiver denn je stellen. Oskar Maria Graf erzwingt ein Hinsehen, Hinhören, Mitreden. Seine Texte passen in unsere Gegenwart wie kaum andere seiner Zeit.
Die Literaturlesungen von texte-statt-brezn sind in der Münchner Kulturszene schon lange kein Geheimtipp mehr, bereits seit über 8 Jahren wird Graf gelesen und dazu hand-und herzgemachte Musik gespielt. Jeder Abend ein Lust- und Must-Event.
Begleitet werden die Lesungen von der Eder Blosn – ein Musiker Ensemble rund um Josef Eder. Die ausgewählten Stücke überraschen immer wieder aufs Neue, sie sind sorgsam gewählt, viele der Lieder gerieten in Vergessenheit und werden von Josef Eder sensibel abgestaubt und frisch mit seinen Musikern aufgespielt.
Jeder Abend der Gruppe ist einzigartig, es gibt kein festes Text – oder Liedprogramm, denn auch kein Tag ist wie der andere. Oliver Leeb und Katrin Sorko als Vorleser schöpfen aus dem reichen Repertoire von Grafs Texten und werden mitreißend begleitet von dem historischen Lied-Gut-Schmankerln der Eder-Blosn. Der Zuhörer darf sich an diesem Abend hineinfallen lassen in eine lebendig gelebte packende Zeit, nicht historisch geschichtlich fern, sondern inspirierend aktuell und berührend nah.
am Samstag 24. und Sonntag 25. Januar um 20 Uhr
TamS Theater
Leitung Anette Spola und Lorenz Seib
Haimhauserstr. 13 a
80802 München
089 345 890
tams@tamstheater.de